Synopsis

aus dem Programmheft "Oscar Wilde - ein Film von Brain Gilbert"

Im Jahr 1883 kehrt der gebürtige Ire Oscar Fingal O'Flahertie Wills Wilde von einer triumphalen Vortragstournee, die ihn kreuz und quer durch Nordamerika geführt hat, nach London zurück. Endlich haben die Salons ihren strahlenden Mittelpunkt wieder. Als der 29jährige Dichterfürst bald darauf die ebenso schöne wie gebildete Constance Lloyd vor den Traualtar führt, kann er sich des Beifalls der feinen Gesellschaft sicher sein.

Wenige Jahre später. Durch die Veröffentlichung des Romans The Picture of Dorian Gray hat seine literarische Karriere einen neuen Gipfel erreicht. Der Ruf von Wildes Esprit und Extravaganz ist längst weit über das Königreich hinaus verbreitet. Oscar und Constance haben zwei Söhne, denen ihre ganze Fürsorge gilt.

Doch die großbürgerliche Idylle trügt. Ein Gast der Familie, der blutjunge Kanadier Robert Ross, verführt den Hausherrn zu einem homosexuellen Abenteuer. Hat Wilde bis zu jener Nacht mit homoerotisehen Motiven nur kokettiert, sei es in seiner Kunst oder in seinem Auftreten, ist er nun gezwungen, sich endlich seinen wahren Neigungen zu stellen. Während Wildes Kreativität durch diesen Selbstfindungsprozess befeuert wird, gerät sein Lebenswandel zunehmend in Konflikt mit der unbarmherzigen Moral der spätviktorianischen Gesellschaft. Die Gefahr eines vernichtenden öffentlichen Skandals wird so zum ständigen Begleiter des künstlerischen Ruhms.

1892, am Premierenabend seiner umjubelten Komödie Lady Windermere´s Fan, begegnet der euphorische Autor dem Oxford-Studenten Lord Alfred Douglas, genannt "Bosie" Wilde ist verzaubert von dem schönen, großspurigen Burschen und stürzt sich in eine leidenschaftliche Liebesaffäre, die ihn schließlich zerstören wird.

Obwohl Wilde nur Augen für Bosie hat, macht er doch die promiskuitive Welt, in der sein Liebhaber zu Hause ist, zu seiner eigenen und pflegt nun auch Umgang mit Strichjungen. Frau und Kinder rücken darüber immer weiter in den Hintergrund.

Da tritt ein gefährlicher Gegner auf den Plan, Bosies Vater. Der neunte Marquess of Queensberry ist ein vierschrötiger Polterkopf, berüchtigt für seine Kampflust und Prozesssucht, erpicht auf öffentliche Auftritte und, wie Wilde, arrogant-gleichgültig gegenüber dem, was die Welt von ihm denkt, dabei aber weitaus weniger verwundbar.

Als Queensberry zu Ohren kommt, dass sein Sohn, dessen "unmännliches" Benehmen ihm schon lange zuwider ist, gemeinsam mit dem Dramatiker Oscar Wilde durch London zieht, wittert er die Chance zur Attacke. 1895, nur wenige Tage nach der triumphalen Uraufführung von The Importance of Being Earnest, stürmt Queensberry in Wildes Club, The Albemarle, und da er ihn nicht antrifft, hinterlässt er beim Portier eine Karte, adressiert "Für Oscar Wilde, den posierenden Sodomiten" Auf Bosies Drängen strengt Wilde daraufhin eine Verleumdungsklage gegen Queensberry an und wird so zum Opfer in dem hasserfüllten Krieg zwischen Vater und Sohn.

Die ganze Tragweite seines unbedachten Schritts dämmert Wilde erst, als eine Riege von Strichjungen, die Queensberrys Anwälte aufgespürt haben, im Gerichtssaal Zeugnis von seinen außerehelichen Aktivitäten ablegen. Weil Homosexualität strafbar ist, wird aus dem Ankläger der Angeklagte. Wildes Untergang ist nicht mehr aufzuhalten, denn eine schmähliche Flucht über den Kanal in letzter Minute steht für ihn außer Frage. Wildes Verhaftung folgt so Queensberrys Freispruch auf dem Fuße. Von den Plakaten der Londoner Theater verschwindet binnen kürzester Zeit sein Name, dann wird der Spielplan selbst "gesäubert". Eben noch berühmt, ist Wilde von nun an nur noch berüchtigt.

Wegen Unzucht wird der größte Dramatiker der Epoche schließlich unter dem einhelligen Beifall der Londoner Presse zu zwei Jahren Freiheitsentzug mit Zwangsarbeit, d.h., der Höchststrafe, verurteilt. Nach Zwischenstationen in anderen Zuchthäusern verbüßt der Gefangene "C.3.3." im Gefängnis von Reading den Rest seiner Haft. Die katastrophalen Lebensbedingungen hinter Gittern führen bei Wilde zu einem irreparablen körperlichen Verfall.

Constance ist vor der gesellschaftlichen Ächtung mit ihren Kindern auf den Kontinent geflohen und hat den Familiennamen geändert. Sie hofft darauf, dass Oscar eines Tages zu ihnen zurückkehren und Bosie, der jetzt ebenfalls im Exil lebt, aufgeben wird.

Als Oscar Wilde 1897 freikommt, erwartet man von ihm eine Entscheidung. Und erneut siegt die Liebe über die Vernunft.

"Jedem Erfolg haftet etwas Vulgäres an. Die größten Menschen scheitern oder erwecken zumindest den Eindruck, gescheitert zu sein." - Oscar Wilde