A Good Woman

Viel Wind um einen Fächer: Scarlett Johansson als Meg.
Viel Wind um einen Fächer: Scarlett Johansson als Meg.

New York im Jahre 1930: Eine Frau erleidet Schiffbruch - und setzt Segel. Die betörende Mrs. Erlynne (Helen Hunt) ist mit ihrem Verführungslatein am Ende - und daher auch mit ihrem Geld. Als Mätresse von Senatoren und anderen Mächtigen hatte sich die schöne Frau mit mysteriöser Vergangenheit nicht schlecht durchs Leben geschlagen, bis die Herren der besseren Gesellschaft auf Druck ihrer Ehedrachen den Geldhahn zudrehen mussten. Mittel-, doch nicht planlos macht die Geschmähte ihren Schmuck zu einem Erster- Klasse-Ticket nach Europa. Ihr Ziel: Die Küste von Amalfi, Sommerfrische der Schönen und Reichen. Hier muss doch etwas zu holen sein - etwa bei dem wohlhabenden Amerikaner Robert Windermere (Mark Umbers). Mrs. Erlynne verliert keine Zeit, sich dem Herrn gefällig zu machen, der seit einem Jahr mit der jungen, naiven Meg (Scarlett Johansson) verheiratet ist.

Ihre Zunge ist nicht das einzig Scharfe an Mrs. Erlynne, und so dauert es nicht lang, bis die feine Gesellschaft der Sommerfrischler gehörig in Aufruhr gerät. Während skandalhungrige Klatschtanten auf Beobachtungsstation gehen, gibt sich die Männerwelt bei der Femme fatale ein Stelldichein, allen voran der ihr - wie es scheint - binnen kürzester Zeit erlegene Windermere, woraus wiederum der smarte englische Playboy Lord Darlington (Stephen Campbell-Moore) Profit zu ziehen trachtet, hat er doch ein Auge auf die bezaubernde Mrs. Windermere geworfen, die er zum revanchistischen Ehebruch zu bewegen hofft. Doch hinter den erotischen Verwicklungen verbirgt sich ein dunkles Geheimnis, und der Fächer, den Windermere seiner Frau zum Geburtstag schenkte, bringt mächtig Wind in die Affäre.

Die höchst amüsante Filmkomödie «A Good Woman» des Regisseurs Mike Barker basiert auf Oscar Wildes Bühnenstück «Lady Windermeres Fächer», das sich im Untertitel spitzbübisch «Ein Stück über eine wirklich gute Frau» nennt. Lustvoll und mit sprühendem Witz hat Wilde herrschende Moralvorstellungen auf den Kopf gestellt, und nichts war dem brillanten Spötter heilig - wohl am wenigsten die Ehe. Sein Aperçu «Bigamie heisst, eine Frau zu viel zu haben - Monogamie heisst dasselbe» ist zwar ursprünglich nicht in diesem Bühnenstück zu Hause, doch passt es hier freilich bestens, so wie viele andere Wilde- Aphorismen, die der Drehbuchautor Howard Himelstein in seine Adaption des Stücks hineingeflochten hat - bis das Skript vor geistreichen Zweizeilern nur so funkelte. Insbesondere die Herrenrunde um Lord Augustus «Tuppy» Lorton (wunderbar: der britische Schauspieler Tom Wilkinson) frönt mit Hingabe der launigen Schmährede: «Lebenserfahrung nennt jeder bei sich das, was andere Fehltritte nennen.»

Himelsteins Drehbuch erlaubt sich einige Freiheiten mit Wildes Komödie, und zwar durchaus zum Vorteil des Films. Das verräterische Accessoire des Originaltitels gehört in diesem Fall keiner englischen Lady, sondern der un(t)adligen Amerikanerin Mrs. Windermere. Das Stück ist eigentlich in den eleganten Salons Londons angesiedelt, doch nichts spricht gegen seine Verlegung in den sonnigen Süden, den Kameramann Ben Seresin stimmungsvoll in Szene setzt. Komische Funken entspringen auch dem Clash of Cultures: Sorgt in Wildes Stück einzig ein Australier für multikulturelles Kolorit (entstammt er doch einem fernen Land, in dem offenbar niedliche kleine Kängurus herumkrabbeln - oder herumfliegen?), so treffen im Film neureiche Amerikaner auf versnobte Engländer, bei ihrem gesellschaftlichen Geplänkel beobachtet von Italienern, die sich am Sommertheater, das ihre Feriengäste zur Aufführung bringen, klammheimlich ergötzen.

Wie stets bei Wilde ist freilich nicht alles Spott, was glänzt: Hinter jeder Sottise verbirgt sich sein romantisches Gemüt - und hinter jeder Herausforderung der Moral die Forderung nach wahrhaft moralischem Handeln jenseits starrer Wertmassstäbe. Helen Hunt stattet die kluge und wortgewandte Verführerin Mrs. Erlynne mit subtilem Sex aus, wobei die hagere Blondine mitunter beinahe zu spröde wirkt - was jedoch durch aufreizende Kostüme (John Bloomfield) wieder wettgemacht wird. Scarlett Johansson, das junge Schauspieltalent aus «Lost in Translation», verleiht der Rolle der allzu tugendhaften Meg Windermere, deren strenge Moralität zu ihrem eigenen Gewinn ins Wanken gerät, feine Nuancen. Erst die sittliche Herausforderung, der Meg sich zu stellen hat, vervollkommnet ihre Herzensbildung und lässt sie - sozusagen fächerweise - erkennen, worin sich wahre Güte erweist.

Originaltitel: A Good Woman
Filmlänge: 93min
Produktion: Spanien (2004), Drama
Besetzung: Helen Hunt, Scarlett Johansson, Tom Wilkinson, Stephen Campbell Moore, Jane How, Bruce McGuire
Regie: Mike Barker
Drehbuch: Howard Himelstein
Verleih: Ascot Elite Entertainment Group
Release: 26.05.2005 (dt)