Gabriele D’AnnunzioD’Annunzio, Gabriele, Principe di Montenevoso (1863-1938), italienischer Dichter, geboren in Pescara, gestorben in Cargnacco. D’Annunzio gehörte zu den wichtigsten und zugleich umstrittensten Vertretern der italienischen Neuromantik und der symbolistischen Dekadenzdichtung. Unter dem Einfluss von Friedrich Nietzsche, Arthur Schopenhauer und Richard Wagner feierte er sowohl in seinen Romanen und Dramen als auch in seinem lyrischen Werk die Sinnenlust und das Übermenschentum. Charakteristisch ist seine außergewöhnliche Begabung, Empfindungen in wortgewaltige Sprache umzuwandeln. D’Annunzios virtuoser, ästhetizierender Stil spiegelt sein romantisches und extravagantes Wesen wider, das auch in seinem bewegten Lebenswandel seinen Niederschlag fand.

D’Annunzio wurde in Pescara in den Abruzzen am 12. März 1863 geboren und studierte in Florenz und an der Universität von Rom. 1881 verließ er die Abruzzen und ließ sich in Rom nieder, wo er bis 1889 als Journalist für die Zeitung Tribuna arbeitete. Ein Jahr später gelangte er mit dem Gedichtband Canto nuovo (1882) zu erstem Ruhm. Die darin enthaltenen Gedichte preisen die Freuden des Lebens. Später wandte sich D’Annunzio dem Roman zu. Trionfo della morte (1894, Triumph des Todes) ist ein Werk voller farbenfreudiger Beschreibungen des Lebens in den Abruzzen.

Nach 1898 gehörte D’Annunzios Begeisterung dem Theater. Großen Einfluss auf sein Werk hatte die Liebesbeziehung mit der italienischen Schauspielerin Eleonora Duse, die von 1897 bis 1902 andauerte. Er widmete ihr mehrere Stücke, einschließlich der Tragödien La Gioconda (1898) und Francesca da Rimini (1902). Der Roman Il fuoco (1900, Das Feuer) ist ein schonungslos offener Bericht über ihre Beziehung. Die Tragödie La figlia di Jorio (1904), die allgemein als sein poetischstes und leidenschaftlichstes Drama gilt, enthält Elemente des bäuerlichen Lebens in den Abruzzen.

1912 floh D’Annunzio aufgrund hoher Verschuldung nach Frankreich, um seinen Gläubigern zu entkommen. Während seiner Zeit in Frankreich schrieb er mehrere Werke in französischer Sprache, deren berühmtestes Le Martyre de St. Sébastien (1911, Das Martyrium des heiligen Sebastian) ist, ein lyrisch-dramatisches Werk, das der französische Komponist Claude Debussy vertonte.

Politisches Aufsehen erregte der dem Faschismus nahe stehende D’Annunzio nach dem 1. Weltkrieg, an dem er als Flieger teilgenommen hatte. Entgegen dem Waffenstillstandsabkommen stiftete er 1919 eine Gruppe Freischärler dazu an, Fiume (das heutige Rijeka) zu besetzen. Nachdem er gezwungen worden war, die Stadt zu verlassen, zog er sich in seine Villa bei Gardone Riviera am Gardasee zurück, wo er bis zu seinem Tod am 1. März 1938 lebte.

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