Hugo von Hofmannsthal, Pseudonyme Theophil Morren, Loris, Loris Melnikow, (1874-1929), österreichischer Schriftsteller. Gemeinsam mit den befreundeten Schriftstellern Arthur Schnitzler, Leopold Andrian und Richard Beer-Hofmann gehört er zu den zentralen Gestalten des Jungen Wien und der Wiener Moderne. Als Librettist arbeitete er mit dem Komponisten Richard Strauss zusammen (u. a. Der Rosenkavalier, 1911). Darüber hinaus gründete er mit Strauss und Max Reinhardt die Salzburger Festspiele.

Hugo von HofmannsthalHofmannsthal wurde am 1. Februar 1874 in Wien geboren und studierte Rechtswissenschaften und Romanistik an der dortigen Universität (Titel: Dr. phil.). Bereits mit 16 Jahren veröffentlichte er unter dem Pseudonym Loris erste Gedichte und seine „dramatische Studie" Gestern (1901): Sie kultivieren eine hypersensible Nervenkunst und sind vom Endzeitbewusstsein des Fin de Siècle durchdrungen, das bereits den kommenden Zusammenbruch des Habsburgerreiches vorausahnte. Mit seinem dichterischen Frühwerk, das durch ästhetisch verfeinerte lyrisch-melancholische Betrachtungen zu Leben, Vergänglichkeit und Ewigkeit charakterisiert ist, konnte er sich in Österreich-Ungarn und Deutschland als viel versprechender junger Literat etablieren. In den Folgejahren entstanden lyrische Dramen wie Der Tod des Tizian (1892) oder Der Thor und der Tod (1893), die wie seine Gedichte von der ausgeprägten Todesmetaphorik durchzogen werden und das Ästhetische zur letzten Instanz des menschlichen Daseins erheben. Damit wies er sich als bedeutender Verfechter des Ästhetizismus aus.

1901 zog sich Hofmannsthal aus dem Wiener Gesellschaftsleben in das nahe gelegene Rodaun zurück. Unter dem Eindruck einer schweren inneren Krise formulierte er seine Zweifel am Genügen der Sprache als Kommunikationsmittel 1902 im so genannten Chandos-Brief („Die abstrakten Worte … zerfielen mir im Mund wie modrige Pilze") und bemühte sich von da an verstärkt, seinen Lyrismus zu überwinden. Unter dem Einfluss Friedrich Nietzsches und der Psychoanalyse Sigmund Freuds wandte er sich der antiken und christlich-abendländischen Tradition zu; es entstanden Werke wie Elektra (nach dem Drama des Sophokles), Jedermann (1911, nach einer anonym überlieferten englischen Moralität des Jedermann) und Der Schwierige (1921, unter dem Eindruck des Altwiener Volksstücks). Der Jedermann wird seit 1920 alljährlich im Rahmen der Salzburger Festspiele aufgeführt, die Hofmannsthal zusammen mit dem Theaterdirektor Max Reinhardt 1920 begründete. Hofmannsthals Zusammenarbeit mit Richard Strauss, der sein Drama Elektra (1903) als Opernwerk vertonte (Uraufführung 1909), war wegweisend für das neuere Musiktheater. Später folgten neben dem Rosenkavalier Libretti zu fünf weiteren Strauss-Opern, darunter Ariadne auf Naxos (1912) und – gemeinsam mit Harry Graf Kessler – zur Josephslegende (1914). Hofmannsthal starb am 15. Juli 1929 in Rodaun. Zu den Freunden des Dichters gehörten u. a. Stefan George, Rudolf Borchardt, Konrad Weiss und Jakob Wassermann.

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