Baron Victor Horta (1861-1947), belgischer Architekt, einer der Hauptvertreter des belgischen Art nouveau (siehe Jugendstil). Horta wurde in Gent geboren und studierte an der dortigen Akademie Architektur. Es folgte ein zweijähriger Aufenthalt in Paris, später in Brüssel, wo er ab 1912 auch als Professor lehrte (1927 bis 1931 war er Direktor der Brüsseler Akademie). An Hortas erstem wichtigen Bauwerk, dem von außen nicht so ungewöhnlichen Hôtel Tassel in Brüssel (entworfen 1892), sind seine neuartigen Methoden bereits erkennbar: Die charakteristische Verwendung von freiliegenden Gusseisenkonstruktionen und Glaselementen sowie ein Grundriss mit achteckiger Vorhalle und eine reiche, aus wuchernden Linien bestehende Ornamentik prägen den Bau. Eine große Treppe führt zu den auf unterschiedlicher Höhe angeordneten Räumen, welche die übliche Aufteilung in einheitliche Geschosshöhen durchbricht. Horta überwachte die Innendekoration der von ihm entworfenen Gebäude bis hin zu den Möbeln selbst. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist insbesondere das luxuriöse Hôtel Solvay (1895-1900). Auch beim Parteigebäude der belgischen Sozialisten, der Maison du Peuple (Volkshaus, 1899 fertig gestellt und 1964 zerstört), verwendete Horta Glas und Eisen bei der Gestaltung der Fassade. Nach einem Amerikaaufenthalt (1916-1919) wandte er sich dem Neoklassizismus zu; in diesem Stil entstanden in Brüssel das Palais des Beaux-Arts (1922-1928) und der von ihm entworfene Bahnhof (1936-1941). Durch seine innovative Jugendstilarchitektur nahm Horta, der auch Kauf- und Privathäuser entwarf, wichtige Strömungen einer Architektur der Moderne vorweg. In besonderer Weise beeinflusste er das Schaffen von Adolf Loos. Horta starb am 8. September 1947 in Etterbeek.

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