Gustav Klimt Gustav Klimt (1862-1918), österreichischer Maler und Graphiker des Jugendstiles, Mitbegründer der Wiener Secession.

Geboren am 14. Juli in Baumgarten, einem dörflichen Vorort von Wien, besuchte er 1876 bis 1883 mit Hilfe eines Stipendiums die neu gegründete Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute Österreichisches Museum für angewandte Kunst). In Ateliergemeinschaft mit seinem Bruder Ernst Klimt und Franz Matsch schuf er zunächst mehrere monumentale Auftragswerke in einem vom Historismus des damals in Wien äußerst einflussreichen Hans Makart beeinflussten Stil (u. a. Deckengemälde für das Stadttheater in Karlsbad, 1886; Decken- und Lünettenbilder für die Treppenaufgänge des Wiener Burgtheaters, 1883-1886). 1893 erhielt die Gemeinschaft vom Unterrichtsministerium den Auftrag zu drei Deckengemälden für die Fakultäten Philosophie, Medizin und Jurisprudenz der Wiener Universität (ausgeführt 1900-1903, 1945 von den Nationalsozialisten zerstört), deren langwieriger Entstehungsprozess von der breiten Öffentlichkeit mit Interesse beobachtet und aufgrund der Freizügigkeit der Darstellungen äußerst kontrovers aufgenommen wurde.

1897 gehörte Klimt zu den Gründungsmitgliedern der Wiener Secession, der er bis 1905 als ihr erster Präsident vorstand. In dieser Zeit entwickelte sich sein Malstil zu einer flächig-ornamentalen Darstellungsform, die realistisch abgebildete Details mit mosaikartig-abstrakten Elementen zu dekorativ und preziös wirkenden Kompositionen verband. 1902 schuf er anlässlich der 14. Ausstellung der Secession, in deren Mittelpunkt die Beethoven-Skulptur Max Klingers stand, seinen berühmten Beethoven-Fries (heute wieder im Secessionsgebäude in Wien). Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählt auch eine Serie von Wandbildern für das Privatpalais des belgischen Industriellen Adolphe Stoclet in Brüssel (1905-1909) , das der Architekt Josef Hoffmann in Zusammenarbeit mit der Wiener Werkstätte errichtete und ausstattete. 1906 entstand mit seinem Bildnis der Fritza Riedler (Österreichische Galerie, Wien) das erste quadratische Porträt seiner „goldenen Periode", in der viele seiner bekanntesten Werke entstanden. Klimt avancierte zu einer zentralen Gestalt des Wiener Kunst- und Gesellschaftslebens, der zahlreiche Ehrungen zuteil wurden, andererseits immer wieder vehemente Ablehnung entgegenschlug. Im Anschluss an eine Reise starb Klimt 1918 an einem Gehirnschlag.

Sein umfangreiches Lebenswerk weist Klimt nicht nur als Meister der symbolistisch-allegorischen Darstellung aus (Pallas Athene, 1898, Historisches Museum der Stadt Wien; Die drei Lebensalter, 1905, Galleria Nazionale d’Arte Moderna, Rom; Der Kuss, 1907/08, Österreichische Galerie, Wien), sondern auch als Meister dekorativer Frauenporträts (darunter zahlreiche Bildnisse seiner Lebensgefährtin Emilie Flöge), deren dezent erotische Ausstrahlung in den rund 2 000 Aktzeichnungen in die Nähe zum Provokativ-Pornographischen gerät. Er gab der österreichischen Kunst des 20. Jahrhunderts wichtige Impulse und wirkte unmittelbar auf den österreichischen Expressionisten Egon Schiele, mit dem ihn eine persönliche Freundschaft verband, und Oskar Kokoschka.

 

  Der Kuss - Gustav Klimt

Der Kuss (1907/08), Österreichische Galerie, Wien

Charakteristisch für den preziösen Spätstil der „goldenen Phase" des bedeutendsten Vertreters der Wiener Secession ist sein symbolistisch-allegorisches Gemälde Der Kuss, in dem die Körper ins Dekorativ-Flächenhafte stilisiert sind.

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