Bronzegruppe Mutter und totes Kind

Der belgische Bildhauer und Graphiker George Minne (1866-1941) gehört zu den typischen Repräsentanten des neuen Stils. Seine Kunst neigt, bei allem Ausdrucksdrang, überwiegend zur Verinnerlichung. Die Zierlichkeit, Kindlichkeit, Keuschheit seiner Bronzegruppe Mutter und totes Kind schließt sie mit dem Ausdruckwollen des Jugendstils zusammen. Der rührende Appell an das Mitgefühl wird durch sehnsuchtsvoll demütige Haltung und nicht durch lauten Protest formuliert.

Die bedeutungsvolle Schönheit einer Erscheinung ist, selbst im Schmerz, wichtiger als die realistische Wahrheit. Stilisierung wird zum künstlerischen Anliegen.

Die Jugendstil-Epoche um 1900 liebte das Leise, Verhaltene, Stimmungsvolle. Typisch für Jugendstilwerke ist stets, dass das Gefühl, das in ihnen zum Ausdruck kommt leise, zögernd, sehnsuchtsvoll ist und nie das barbarische Ungestüm des Expressionismus aufweist. In der Literatur der Zeit tritt nicht selten die Zuwendung zum Bleichen, Dekadenten, Kränklichen, Welkenden hervor. Die Stimmungen des frühlingshaften Erwachens können ebenso gesucht werden, wie die müden des Herbstes. Verwandte lyrische Tendenzen zeigt die Bildende Kunst.

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