Richard Riemerschmid (1868-1957), Architekt, Maler und Designer, bedeutender Vertreter des deutschen Jugendstiles, neben Peter Behrens und Bruno Paul Anreger einer industriellen Produktion von Konsumartikeln auf qualitativ und ästhetisch hohem Niveau.

Er wurde in München geboren und studierte dort Malerei. Unter dem Einfluss der Theorien des Engländers William Morris und dessen Arts and Crafts Movement begann er Möbel, Tapeten, Stoffe, Gläser und andere Gebrauchsgegenstände in einem zunächst eher floral ausgeprägten Jugendstil zu entwerfen, der sich jedoch später zu einfacheren, funktionalen Formen nach den Maßstäben des Industriedesigns wandelte. 1897 gründete er zusammen mit Bernhard Pankok, Hermann Obrist und Bruno Paul die Münchner Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk. Internationale Anerkennung fand u. a. sein Entwurf für einen Musikzimmerstuhl (1899, ein Exemplar davon befindet sich heute im Museum of Modern Art, New York), ebenso sein zukunftsweisendes Programm einfacher, zerlegbarer Maschinenmöbel von 1906. Riemerschmid war Mitbegründer des Deutschen Werkbundes (1907, 1921-1926 Vorsitzender) und der Deutschen Werkstätten in Hellerau bei Dresden (1908) sowie 1912 bis 1924 Direktor der Münchner Kunstgewerbeschule und 1926 bis 1931 der Kölner Werkschulen.

Zu seinen bedeutendsten Leistungen als Architekt gehören neben dem Entwurf seines eigenen Wohnhauses in München-Pasing (1898) der Innenausbau des Münchner Schauspielhauses (Kammerspiele, 1900/01, mit Max Littmann), ein wichtiges Beispiel der Jugendstilarchitektur, der 1909 begonnene Bebauungsplan sowie mehrere Wohngebäude für die Gartenstadt Hellerau bei Dresden, die Fabrikgebäude der Deutschen Werkstätten in Hellerau und das Münchner Funkhaus (1927-1929).

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