Jean Nicolas Arthur Rimbaud (1854-1891), französischer Dichter. Er war ein Vorläufer des Symbolismus und beeinflusste sowohl den Expressionismus als auch den Surrealismus stark. Damit gehört er zu den zentralen Gestalten der literarischen Moderne.

Jean Nicolas Arthur RimbaudRimbaud wurde am 20. Oktober 1854 in Charleville (heute Charleville-Mézières) im Departement Ardennes geboren. Bereits mit zehn Jahren begann er, Lyrik zu verfassen. Mit 17 Jahren schrieb er das esoterisch-seherische Gedicht Le Bateau ivre (1871; Das trunkene Schiff), das er Paul Verlaine vortrug. Deutlich zeigte sich die Arbeit von Charles Baudelaire beeinflusst, war in ihrer metaphorischen Originalität und dem Assoziationsreichtum ihrer dunklen Chiffren jedoch äußerst eigenständig, was er in einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Resignation auch selbst vermerkte („Oui, on n’a rien écrit de semblable, je le sais bien"). Auf Anraten Verlaines zog Rimbaud 1871 nach Paris, wo beide bis 1873 ein homophiles Verhältnis unterhielten. Zum Bruch kam es, als Verlaine Rimbaud beim Versuch, ihn zu ermorden, schwer verwundete. Rimbaud hielt dies in dem autobiographisch gefärbten, stark rhythmisierten Prosagedicht Une Saison en enfer (1873; Eine Zeit in der Hölle) fest, das durch seine Dynamik und seine radikal-entgrenzende Stilistik einen Wendepunkt der Literaturgeschichte markierte. Danach begann ein rastloses Wanderleben, das den Dichter nach England, Deutschland, Italien, Java, Skandinavien und Zypern führte. Dabei arbeitete er u. a. als Sprachlehrer, Söldner, Zirkusdolmetscher und Aufseher in einem Steinbruch.

1880 wurde Rimbaud Kaffee-, Tierhaut- und Waffenhändler in Nordafrika und unternahm in diesem Zusammenhang Forschungsexpeditionen nach Schoa und Somaliland. Verlaine veröffentlichte währenddessen Rimbauds Prosagedichte Les Illuminations (1886; Illuminationen), die wie die 1871 entstandenen Lettres du voyant (herausgegeben 1912 bzw. 1926; Briefe eines Sehenden) eine absolute, dichterisch-visionäre Zersprengung konventioneller Weltsicht „durch eine lange, ungeheuere und systematische Entregelung aller Sinne" propagieren; zu den Illuminationen gehört auch das berühmte Sonnet des voyelles, in dem jedem der fünf Vokale eine bestimmte Farbe zugeordnet wird. 1891 kehrte Rimbaud nach Marseille zurück, wo er am 10. November 1891 an einer Tumorerkrankung starb. Nach seinem 20. Lebensjahr hatte er kein Gedicht mehr verfasst. Rimbaud wurde u. a. von Theodor Däubler, Stefan George, Paul Celan und Karl Krolow ins Deutsche übertragen.

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