Henry Clemens van de Velde

Henry Clemens van de Velde

Henry Clemens van de Velde (1863-1957), belgischer Architekt und Designer. Er gehört zu den bedeutendsten Vertretern des Jugendstils.

Van de Velde wurde am 2. April 1863 in Antwerpen geboren. Beeinflusst vom englischen Arts and Crafts Movement, an dessen Spitze William Morris stand, und von den Ideen John Ruskins, wandte er sich von der Malerei der Architektur und Gestaltung zu. Früheste Arbeiten waren Möbel und Buchdekorationen, bei denen er sich um eine funktions- und materialgerechte Form bemühte. Sein eigenes Haus in Uccle in der Nähe von Brüssel (1895) wurde zu einem Meisterwerk des frühen Jugendstils. Da er Probleme hatte, geeignetes Mobiliar zu finden, entwarf er die gesamte Einrichtung selbst, wobei ihm eine großartige Verbindung von Architektur und Innenraumgestaltung gelang. Sein Erfolg brachte ihm weitere Aufträge für Gebäude in Deutschland ein. Auch hier waren architektonische Gestaltung und Möblierung – stets im schwungvollen Design des Jugendstils gehalten – sorgfältigst aufeinander abgestimmt. Stilbildend wurden seine Entwürfe für das Interieur der Maison de l’Art Nouveau (1896), einer Kunsthandlung in Paris, die dem französischen Jugendstil seinen Namen gab, und des Folkwang-Museums (1902) in Hagen für Karl Ernst Osthaus. Als Mitbegründer von Kunstschulen und Künstlervereinigungen – Werkbund, Weimarer Kunstgewerbeschule (1907) – war er einer der einflussreichsten Architektur- und Designtheoretiker des 20. Jahrhunderts.

Die Leitung der Kunstgewerbeschule, aus der später das Bauhaus hervorging, gab van de Velde 1919 an Walter Gropius ab. Ab Mitte der zwanziger Jahre bis 1936 leitete er in Brüssel das von ihm gegründete Institut Supérieur des Arts Décoratifs. Ab 1947 bis zu seinem Tod am 25. Oktober 1957 in Zürich lebte er in der Schweiz.

Die Neue Kunst wollte das gesamte Dasein einer schöpferischen Elite stilvoll durchdringen. Nicht nur die Behausungen der Menschen sollten im Äußeren und Innern stilvoll sein, sondern ebenso die Gewänder für Alltag und Fest. Dieser Erneuerungsanspruch sah von allem vorübergehend Modischen ab und forderte grundsätzliche Reformen. Zum Phänomen des Jugendstils gehören daher zahlreiche elitäre geistige Erscheinungen.

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