Wiener Werkstätte, Produktionsgemeinschaft von Kunsthandwerkern, die zu den bedeutendsten Zentren des Kunsthandwerks im 20. Jahrhundert zählte. Sie wurde 1903 vom Architekten Josef Hoffmann, dem Maler Koloman Moser und dem Bankier Fritz Wärndorfer gegründet und ging aus der Wiener Sezession hervor, an deren geometrisierenden Stil sie unmittelbar anknüpfte. Ihr Ziel war es, hochwertige Einrichtungsgegenstände wie Möbel, Kleidung, Schmuckstücke und Keramik einem breiteren Publikum zu angemessenen Preisen anzubieten, was aber nur teilweise gelang, da die Produktionskosten zu hoch waren. Damit folgten sie dem Vorbild von William Morris und dem Arts and Crafts Movement. Die Wiener Werkstätte sollte die solide Qualität der von Kunsthandwerkern hergestellten Gegenstände erhalten und erneuern, verzichtete aber im Gegensatz zur englischen Kunsthandwerksbewegung nicht auf den Einsatz von Maschinen.

In den ersten Jahren prägte eine klassizistisch anmutende Geradlinigkeit die Entwürfe der Werkstatt, die Gegenstände wurden mit geometrischen Ornamenten versehen. Von den Idealen der praktischen Zweckmäßigkeit und der Funktionalität entfernte sich der Stil der Wiener Werkstätte unter dem Einfluss des Architekten und Gestalters Dagobert Peche (1887-1923), der ab 1915 Einfluss gewann. Er prägte den phantastisch-ornamentalen Stil der folgenden Jahre, der auf das gesamte Kunsthandwerk um 1920 einwirkte. 1914 war die Wiener Werkstätte nach dem Ausscheiden Wärndorfers in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden, wobei die Familie Primavesi die Hauptanteile erwarb. Durch den Konkurs des Bankhauses Primavesi 1926 wurde die Werkstätte wirtschaftlich so geschwächt, dass sie 1932 aufgelöst werden musste. Als eines der wichtigsten Beispiele für den alle Ausstattungsbereiche umfassenden frühen Stil der Wiener Werkstätte gilt das zwischen 1905 und 1911 errichtete Palais Stoclet in Brüssel. An seiner Ausgestaltung waren Gustav Klimt, Michael Powolny, Berthold Löffler, Carl Otto Czeschka und die Bildhauer Richard Luksch und Franz Metzner beteiligt. Eine andere Arbeit der Wiener Werkstätte ist das 1907 nach Plänen Hoffmanns gebaute und ausgestattete Theater und Kabarett Fledermaus in Wien, für das auch Plakate, Programmhefte und Einladungskarten entworfen worden waren.

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